„Lebendige Phantome“

coverLebendigePhantome„Lebendige Phantome. Ein Entbindungshospital und seine Patientinnen 1751-1830“, Göttingen: Wallstein 2012. €34,90.
http://www.wallstein-verlag.de/9783835310933-juergen-schlumbohm-lebendige-phantome.html

Frauen in bedrängter Lage begegnen Medizinern, die sich für den Fortschritt der Geburtshilfe stark machen. Wurden sie als Übungspuppen, als „lebendige Phantome“, benutzt, wie der Direktor einmal sagte?

In eine ferne Welt führt dies Buch den Leser. Es erzählt von der Magd Dorothea Elisabeth Junk, die ihre uneheliche Tochter dem Kindsvater vor die Tür legte, von Juliane Nolte, deren „blühende Schönheit“ den „Verführer“ anzog, und von der „Mohrin“ Viktoria Laurenti, mit der sich ein fürstlicher Hof schmückte, bevor sie von einem adeligen Offizier ein Kind erwartete. Wie hunderte andere Frauen, die unverheiratet schwanger waren, gingen sie in das neue Universitäts-Entbindungshospital. Dort begegneten sie dem ärztlichen Direktor, der sich für den Fortschritt der Geburtshilfe stark machte, und seinen zahlreichen Studenten, die im Verlangen nach praktischer Ausbildung mit den Hebammenschülerinnen konkurrierten. Wenn die Lebensgeschichten dieser Frauen und Männer durch ihre Fremdartigkeit den Leser in den Bann ziehen, so blitzen zugleich Konfliktlinien auf, die von bestürzender Aktualität scheinen. Es geht um Liebe und Gewalt zwischen den Geschlechtern, um soziale Hilfe und Abweisung Fremder, um natürliche Geburt und operative Entbindung, um medizinische Technik und Wünsche von Patientinnen.

Accouchierhaus2

Ledige Schwangere, Medizinstudenten und Hebammen benutzten jeweils auf ihre Weise das prächtige „Accouchierhaus“ (von französisch accoucher = entbinden) der Universität Göttingen.

 

Pressestimmen:

„grandiose Studie“, „monumentales Werk“ (Urs Hafner, Neue Zürcher Zeitung, 27.6.2012). http://mobile.nzz.ch/lebendige-puppen-1.17286257

„spannend wie ein Krimi“ (Wiebke Lisner, Hebammenforum, Februar 2013).

„… vermeidet jede Spekulation, achtet auf Ungereimtheiten und bewahrt damit die Komplexität und Vielstimmigkeit einer historischen Situation.“ (Steffen Martus, Süddeutsche Zeitung, 3./4.11.2012).

„Schlumbohm hat Lust am Erzählen, und er erzählt gut. So ist sein Werk nicht nur eine Erkenntnisgewinn bringende wissenschaftliche Untersuchung geworden, sondern auch ein schönes, lesenswertes Buch.“ (Hans-Christoph Seidel, H-Soz-u-Kult, 30.04.2013). http://www.hsozkult.de/searching/id/rezbuecher-19039?title=j-schlumbohm-lebendige-phantome&q=schlumbohm&sort=&fq=&total=76&recno=15&subType=reb

“Das Ergebnis ist nicht nur neu, es ist schlicht großartig.” (Ulrich Tröhler, Gesnerus 69, 2012).

„Die überaus plastische Beschreibung der Anfänge der klinischen Geburtshilfe … dürfte alle Frauenärzte faszinieren, die sich über den Berufsalltag hinaus auch für die Wurzeln ihres Fachgebietes interessieren. … In dem hervorragend zu lesenden Buch ist es dem Autor unter anderem gelungen, die Ambivalenz zu verdeutlichen, die der praktischen Ausbildung in der Geburtshilfe in gewissem Maß auch heute noch innewohnt …“ (W. Frobenius, Geburtshilfe und Frauenheilkunde, April 2013).